Dazu sagte der Gründer und Vorstandsvorsitzende des Bundesverbandes Musikindustrie, Dieter Gorny: "Die digitale Krise schlägt voll auf die Musikwirtschaft durch. Viele Unternehmen können es sich wegen des Diebstahls im Internet nicht mehr leisten, an der Popkomm teilzunehmen".
Das klingt doch sehr merkwürdig, aber ich glaube auch letztens „50 Cent“ statt in Limousine auf dem Fahrrad gesehen zu haben.
Vielleicht ist den Herren auch die Wirtschaftskrise gar nicht aufgefallen, mit der die meisten anderen Unternehmen die derzeitige Flaute erklären. Auch wäre es durchaus möglich, dass die Musikindustrie einfach den Beginn des Internetzeitalters verschlafen und zu spät auf alternative Vermarktungswege gesetzt hat.
Aber nein, es liegt sicher nicht an diesen Gründen. Nein Schuld sind natürlich immer diese Internetnutzer, welche nicht gerne Musik hören, sondern einfach nur die Musik zerstören wollen. Ja, denn genau deshalb kann sich die arme Musikindustrie, die nur noch Cents auf dem Konto hat, keinen Stand mehr auf einer mittelklassigen Messe leisten.
Deshalb plädiere ich für eine Abwrackprämie auf alte Musikstücke. Jeder Kunde kann seine alten Songs gegen neue tauschen und die Musikindustrie bekommt für jedes Lied drei Euro vom Staat. Das bekämpft zwar nicht das Problem, sichert aber Arbeitsplätze und ist vor einer Wahl immer gut.
Wenn auch dies nicht den erhofften Effekt erzielen sollte bleibt der Musikindustrie wohl nichts mehr anderes übrig als ihr zweites Standbein auszubauen. Also mehr Anwälte einzustellen und haufenweise Abmahnungen zu schreiben, um die geringeren Einnahmen auszugleichen. Man sollte aber diesbezüglich auch den Namen "Musikindustrie" überdenken und ggf. ändern.
Um diesen Schritt noch etwas hinaus zu zögern, versuchen die Messeorganisatoren jetzt Druck auf die Politik aufzubauen. Diese ist ja bekanntlich sehr empfänglich für gute Lobbyarbeit und wird sicher demnächst den Kampf gegen Internetpiraterie auf ihre Fahne schreiben. Da diese Piraten aber noch schwieriger aufzuspüren sind als die vor Somalia, wird in diesem schweren Fall wohl nur ein „Stop-Schild“ helfen.
Wird damit Berlin dieses Jahr einfach unattraktiv werden? Wir werden es sehen, aber es ist doch sehr unwahrscheinlich, dass die deutsche Hauptstadt aufgrund einer unbedeutenden Messe dieses Jahr einen Besucherrückgang erwarten muss. Falls dies trotzdem geschehen sollte, ist aber natürlich nicht die Wirtschaftskrise schuld, sondern mal wieder die Internetnutzer.




