21.06.2009

Popkomm fällt aus und das Internet ist schuld

Dieses Jahr wird es in Berlin wohl sehr langweilig werden. Die Musikmesse „Popkomm“ findet nämlich nicht statt. Die Veranstaltung fällt laut offiziellen Aussagen aufgrund zu geringer Anmeldezahlen und als Protest gegen die Internetpiraterie aus.



Dazu sagte der Gründer und Vorstandsvorsitzende des Bundesverbandes Musikindustrie, Dieter Gorny: "Die digitale Krise schlägt voll auf die Musikwirtschaft durch. Viele Unternehmen können es sich wegen des Diebstahls im Internet nicht mehr leisten, an der Popkomm teilzunehmen".

Das klingt doch sehr merkwürdig, aber ich glaube auch letztens „50 Cent“ statt in Limousine auf dem Fahrrad gesehen zu haben.


Vielleicht ist den Herren auch die Wirtschaftskrise gar nicht aufgefallen, mit der die meisten anderen Unternehmen die derzeitige Flaute erklären. Auch wäre es durchaus möglich, dass die Musikindustrie einfach den Beginn des Internetzeitalters verschlafen und zu spät auf alternative Vermarktungswege gesetzt hat.


Aber nein, es liegt sicher nicht an diesen Gründen. Nein Schuld sind natürlich immer diese Internetnutzer, welche nicht gerne Musik hören, sondern einfach nur die Musik zerstören wollen. Ja, denn genau deshalb kann sich die arme Musikindustrie, die nur noch Cents auf dem Konto hat, keinen Stand mehr auf einer mittelklassigen Messe leisten.

Deshalb plädiere ich für eine Abwrackprämie auf alte Musikstücke. Jeder Kunde kann seine alten Songs gegen neue tauschen und die Musikindustrie bekommt für jedes Lied drei Euro vom Staat. Das bekämpft zwar nicht das Problem, sichert aber Arbeitsplätze und ist vor einer Wahl immer gut.


Wenn auch dies nicht den erhofften Effekt erzielen sollte bleibt der Musikindustrie wohl nichts mehr anderes übrig als ihr zweites Standbein auszubauen. Also mehr Anwälte einzustellen und haufenweise Abmahnungen zu schreiben, um die geringeren Einnahmen auszugleichen. Man sollte aber diesbezüglich auch den Namen "Musikindustrie" überdenken und ggf. ändern.


Um diesen Schritt noch etwas hinaus zu zögern, versuchen die Messeorganisatoren jetzt Druck auf die Politik aufzubauen. Diese ist ja bekanntlich sehr empfänglich für gute Lobbyarbeit und wird sicher demnächst den Kampf gegen Internetpiraterie auf ihre Fahne schreiben. Da diese Piraten aber noch schwieriger aufzuspüren sind als die vor Somalia, wird in diesem schweren Fall wohl nur ein „Stop-Schild“ helfen.


Wird damit Berlin dieses Jahr einfach unattraktiv werden? Wir werden es sehen, aber es ist doch sehr unwahrscheinlich, dass die deutsche Hauptstadt aufgrund einer unbedeutenden Messe dieses Jahr einen Besucherrückgang erwarten muss. Falls dies trotzdem geschehen sollte, ist aber natürlich nicht die Wirtschaftskrise schuld, sondern mal wieder die Internetnutzer.

19.06.2009

NetzNews - Seite des Kinderschutzbundes gehackt?

Heute wurde anscheinend die Seite des Kinderschutzbundes gehackt.
Eine sehr schnelle Reaktion auf das gestern verabschiedete Gesetz (wir berichteten zum Thema) und eine "neue" Art von zivilen Ungehorsam.




Hier gehts zur Seite des Kinderschutzbunds.

Update: Auch zu beachten ist folgender Link http://cdu-bundestag.de

17.06.2009

Der Iran hat gewählt und die Welt find's doof

Was ist denn nun los? Auf einmal berichtet die ganze Welt über den Iran. Sonst ein Land, was eher als „Schurkenstaat“ bekannt ist und außerhalb des Terrorthemas max. 30min Sendezeit im Randgruppenfernsehen erhält. Aber jetzt ist der Iran auf einmal mitten drin statt nur dabei. Die ganze westliche Welt macht sich Sorgen um die Opposition und hofft auf eine Revolution. Ganz nebenbei haben die klassischen Medien gerade eine schon länger währende Revolution bemerkt, derzeit mit dem Namen „Twitter“.

Im Ausland gehasst, im Inland umstritten. Das ist der alte und neue Präsident Ahmadinedschad. Dieser hat bei der Wahl 62% der Stimmen auf sich vereinigen können. Klingt nicht schlecht für eine Wahl. Nur wirft die Opposition der Regierung nun Wahlbetrug vor was dazu führte, dass die Stimmen nun neu ausgezählt werden müssen. Genau deshalb gehen zur Zeit tausende Iraner auf die Straßen, um für ihren Kandidaten zu protestieren.


Die westlichen Medien haben ihre Entscheidung jedoch bereits getroffen und sprechen derweil sogar von einer Revolution im Iran. Doch vergessen sie dabei manchmal, dass es auch tausende Iraner auf die Straße treibt, die ihren Präsidenten unterstützen wollen. Natürlich ist Ahmadinedschad im Ausland wegen seiner außenpolitischen Äußerungen unbeliebt und auch viele Iraner sehen das kritisch. Nur wie wir auch bei der zweiten Amtszeit von Herrn Bush gesehen haben, ist Außenpolitik nicht Alles.


Die BILD titelt bzgl. dieses Themas „62 Prozent für das Böse. Und nun?“. Ja und nun? Vielleicht einfach mal einen Gang zurück schalten. Der Iran hat gewählt, die Opposition sieht das Wahlergebnis kritisch (vielleicht zu Recht). Aber wieso müssen wir uns in diese inneren Themen des Irans einmischen? Sicher wenn die im Ausland lebenden Iraner das tun ist das ok, auch wenn unsere Medien neutral über die Sache berichten wollen, schließlich interessiert das Thema viele Menschen auch hier zu Lande (wie man ja auch an diesem Beitrag sieht). Aber haben wir das Recht Menschen im Iran zu verurteilen nur weil sie anders gewählt haben als wir es machen würden, die die nicht mal ein Wahlrecht im Iran haben?


Trotzdem ist das Thema in aller Munde, was auch daran liegen mag, dass das Internet zum ersten Mal eine gigantische mediale Rolle spielt. Die iranische Regierung hat bereits nach den ersten Protesten den ausländischen Reportern im Land verboten sich frei zu bewegen. Die Pressefreiheit wurde stark eingeschränkt und teilweise auch die Handynetze blockiert. Was aber passiert, wenn ein Land über viele Menschen mit Internetzugang Nachrichtensperren verhängt? Tja, man sieht (bzw. liest) es zur Zeit mit eigenen Augen auf „Twitter“. Es scheint als würde der halbe Iran das Netzwerk mit Augenzeugenberichten und aktuellen News fluten. Natürlich sind nicht alle wahr und schon gar nicht überprüfbar, aber sogar westliche Medien bedienen sich nun diesem neuen Medium.

Auch auf YouTube gibt es zahlreiche Videos von Übergriffen der Polizei auf Demonstranten. Damit ist zum ersten Mal in einem „größeren“ Konflikt nicht die internationale Presse Lieferant unserer Bilder und Informationen, sondern einfache Bürger. Genau deshalb ist das Internet in der heutigen Zeit so wichtig und wird immer wichtiger werden.


Bleibt abschließend nur zu hoffen, dass wie auch immer der Konflikt im Iran ausgeht, wenig Menschen zu Schaden kommen und sich das Internet genau auf dieser demokratischen Grundlage weiterentwickelt.


Anmerkung: Natürlich muss man die Sache im Iran im Auge behalten und versuchen neutral zu verfolgen, nicht mit Vorurteilen und Propaganda, aber mit moralischen und demokratischen Grundsätzen. Die Internetgemeinde ist verpflichtet auf Unrecht aufmerksam zu machen und dazu stehen ihr jetzt auch die Mittel zur Verfügung. Es sei deshalb auch noch kurz auf die Aktion von The Pirate Bay hingewiesen (einfach mal reinklicken und selber schauen)!